Der Stuttgarter Hauptbahnhof

„S’wird immer wüschter, aber’s paßt zum andre, - meinetwege, machet Sie’s“, sagte Oberbaudirektor Neuffer zum Architekten Paul Bonatz, nachdem dieser immer wieder Änderungen an seinem ursprünglichen Entwurf, den er mit Friedrich E. Scholer im Jahre 1912 gewonnen hatte, vornahm. „umbiculus sueviae“ nannten die Architekten den ursprünglichen Entwurf, den „Nabel Schwabens“!


Der Bau wurde in zwei Abschnitten durchgeführt, da der Zugverkehr bis 1922 über das westliche Gelände in die Bolzstrasse führte, wo bereits 1846 der erste Bahnhof entstand, der bereits 20 Jahre später für die reisefreudige Bevölkerung erweitert werden musste. Die eigentliche Bauzeit dauerte von 1914-27, allein schon der erste Weltkrieg verzögerte die anfänglichen Bauarbeiten.


Es entstand ein monumentales Gebäude in kubischen Formen mit flachen Dächern, das der Zeit entsprechend, in die „neue Sachlichkeit“ einzuordnen ist, allerdings verfremden Natursteinfassaden und neoklassizistische Säulen im Stile traditioneller Bauelemente den „internationalen Stil“, was nicht selten den Besucher in Stuttgart fragen lässt, ob das Gebäude in der Zeit des Nationalsozialismus gebaut wurde. Der 16- gleisige Kopfbahnhof wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört und im „alten“ Stil wieder aufgebaut, allerdings im Inneren stark verändert und mit einer neuen Decke, die die große Halle mit Betonbindern überspannt. Nur die kleine Schalterhalle erinnert an den Zustand im Inneren vor dem Krieg . Die großen Rundbögen der Schalterhallen stehen in der Achse zur König- und Lautenschlagerstrasse, ebenso ist der 56m hohe Turm, als guter Orientierungspunk, in der gesamten Länge der Königstrasse zu sehen. Bekrönt wird der Turm vom Mercedes-Stern . Der in Stuttgart ansässige Automobilhersteller hatte sich nach dem 2. Weltkrieg an dem Wiederaufbau finanziell beteiligt und soll sich hierfür diese exklusive Werbefläche als einzige Stuttgarter Firma auf unbestimmte Zeit gesichert haben. In der Mitte über den Säulen steht ein Zitat des wohl bekanntesten Stuttgarter Sohnes, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der hier 1770 geboren wurde, „….und dass die Furcht zu irren, schon der Irrtum selbst ist“.